26/01/2017 - HAPPY REPUBLIC DAY!

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Freitag, 1. September 2000

Chaudhuri: "Das Problem des Hindi ist Indiens Problem"

(kjo) Dr. Ram Chaudhuri beschäftigt sich in der Zeitschrift "Panchjanya" mit Indiens Nationalsprache Hindi. In seinem Aufsatz "Hindi ki samasyaa arthaat Bhaarat ki samasyaa" sieht er Indiens Problem im Problem des Hindi. Kristian Joshi hat diesen Aufsatz in Deutsche übersetzt. Der ursprüngliche Ausatz spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion von theinder.net wider.

"Die Kernparolen der indischen Unabhängigkeit waren 'Swadeshi' ('vom eigenen Land') und 'Swavlamban' (Eigenständigkeit). Nehrus Politik, Eigenständigkeit in Wissenschaft und Technologie, war richtig, jedoch wurde in ihrer Durchführung ein eklatanter Fehler begangen: Die Missachtung der Nationalsprache Hindi.

Es ist notwendig, daran zu erinnern, dass Hindi mit allgemeiner Zustimmung als Nationalsprache Indiens gewählt wurde. Dahinter stehen zwei Hauptargumente:

1) Die jahrhunderte lange Souveränität der Sprache und ihre Fähigkeit, die gesamte Facette der indischen Kultur in sich zu tragen.

2)Die Zustimmung der gesellschaftlichen Führer zum obigen Punkt und somit die einhellige Unterstützung des Hindi als Nationalsprache.

Die Missachtung des Hindi als Nationalsprache hatte einige zerstörerische Folgen. Die erste war die Verletzung der Verfassung. Damit Hindi leicht den Platz als Nationalsprache einnehmen konnte, wurde es als notwendig erachtet, dass vom Inkrafttreten der Verfassung an für 15 Jahre Englisch Nationalsprache bleiben sollte. In dieser Zeit sollte das Hindi entwickelt werden und die Hindisprachigen Staaten sollten für den amtlichen Gebrauch des Hindi reif gemacht werden. Dem Präsidenten wurde das Recht erteilt, in der 15jährigen Interimszeit per Anordnung Hindi als Regierungssprache neben Englisch zu legitimieren. Von diesem Recht wurde nie gebrauch gemacht.

 Die Missachtung des Hindi war der erste Schritt zur  Missachtung der indischen Verfassung, deren Folge war, dass sie zu einem wertlosen und uneffektiven Dokument degradiert wurde, welches keiner mehr ernst nahm.

 Die zweite Folge war die Verletzung des Images des Hindi. Man begann, Hindi als unfähige und wertlose Sprache zu betrachten. Die Frage kam auf, welchen Nutzen Hindi noch hat, wenn es selbst mit Unterstützung der Regierung nicht Nationalsprache werden konnte. Selbst die Hindi-sprachige Elite begann, ihre Sprache gegenüber anderen Sprachen als schwach anzusehen.

Aus politischen Gründen sowie der Gleichgültigkeit der Bewohner der hindi-sprachigen Gebiete (Hindi Kshetra) geriet das Hindi Kshetra gegenüber anderen Landesteilen in Bereichen wie Bildung und Industrie immer mehr ins Hintertreffen. Die Resultate dieser Entwicklung trafen auch das Hindi als Sprache. In den Hindi Staaten wurde es zur Einstellung, anzunehmen, dass die Sprache eines rückständigen Gebietes ebenfalls rückständig sein muss. Tatsächlich ist Hindi, wie andere indische Sprachen, eine progressive, entwickelte Sprache. Aber dies zu akzeptieren war keiner bereit. Die großen angesehenen Hindi Sprach-Institutionen, wie die Nagari Pracharini Sabha (Versammlung zur Verbreitung der Nagari-Schrift) und die Hindi Sahitya Sammelan (Hindi Literatur Versammlung) waren nicht in der Lage dieses Bild zu korrigieren. Sie selbst hatten ihr früheres Ansehen eingebüßt.

 Die dritte Folge war die Abwertung aller indischen Sprachen. Würde Hindi als moderne Wissenschaftssprache gebraucht, so würden alle indischen Sprachen profitieren. Die Abwertung des Hindi ist die Abwertung aller anderen regionalen Sprachen, ebenso wie Indiens Abwertung eine Abwertung aller seiner Provinzen ist.

 Die vierte Folge war, dass 98 % des indischen Volkes der Weg des Fortschritts verbaut wurde. Seit der englischen Kolonialherrschaft ist die indische Gesellschaft in zwei Hälften gespalten: die, die des Englischen mächtig sind (2%) und die, die die es nicht sprechen (98%). Letztere mögen wir Hindi-Sprachige nennen, für welche die Türen geschlossen sind, da das Medium der Higher Education nicht Hindi ist. Heutzutage braucht man in allen Bereichen des Wettbewerbs Englischkenntnisse.Ob im Sport, in der Wirtschaft, die Leute die an diesen Bereichen teilnehmen, kommen alle aus der englischsprachigen Elite. Dies ist der Grund, warum Indien in allen Disziplinen ständig geschlagen wird.

 Der schwere Stand der indischen Sprachen hängt in und außerhalb Indiens mit der Einstellung zusammen, die in Indien aus der Missachtung der eigenen Sprache entstanden ist. Im Ausland lebende Hindi-Sprecher haben schon in Indien ihre Sprache verachtet bzw. gleichgültig behandelt. Diese Gleichgültigkeit nehmen sie ins Ausland mit. Das indische Bildungssystem bringt egoistische Persönlichkeiten hervor. Das Ziel der Ausbildung ist Karriere, als Mediziner, Ingenieur oder Verwaltungsbeamter. Gesellschaftliche Verantwortung zählt nicht. Folglich werden die Nachkommen auch nicht motiviert, Hindi zu lernen.

 Für den Fortschritt eines Landes ist die Beteiligung von Staat und Bürgern erforderlich. Es ist unumstritten, dass gut gebildete Bürger der größte Reichtum eines Landes sind. In der Definition von 'gut gebildet' steht der Aspekt der Verpflichtung gegenüber der bürgerlichen Verantwortung an erster Stelle. Um die gesellschaftliche Verantwortung zu erfüllen, muss der gut gebildete Bürger der Volkssprache mächtig sein. Er muss neben literarischen vor allem Kenntnisse in der Artikulation von modernen technischen Sachverhalten haben. Sind wir damit einverstanden, so kann man eine in Englisch ausgebildete Person für Indien nicht als gut gebildet bezeichnen. Wenn diese Person jedoch will, so kann sie, eine indische Sprache lernend, leicht in die Klasse der gut gebildeten aufsteigen. Es bedarf nur eines Wörterbuches.

Komplizierte Probleme haben oft simple Lösungen, wenn wir über sie ehrlich nachdenken. Wenn wir anfingen, Hindi in allen Bereichen der Verwaltung und Bildung zu gebrauchen, so würde es leicht Nationalsprache Indiens sowie Sprache in der UN werden. Auch im Ausland lebende Inder würden Hindi als Kultursprache achten und begrüßen. Wenn es soweit ist, erst dann wird ein freies Bewusstsein aufkommen und erst dann werden 98% indisches Volk erstarken. Talent wird sich entwickeln und auch Indien wird mal in Wissenschaft, Literatur und Sport Goldmedaillen gewinnen.

Die größte Lösung für Indiens Probleme wird die Stärkung der indischen Sprachen sein. Die Zeit ist reif, dass wir die Kraft und Potenz des Hindi erkennen."