26/01/2017 - HAPPY REPUBLIC DAY!

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Freitag, 16. August 2013

Bundeskanzler-Stipendium: "Partnerschaft mit Indien weiter stärken"

Foto: (c) Humboldt-Stiftung / Michael Jordan
(bc) Dr. Enno Aufderheide (Foto) ist seit 2010 Generalsekretär der Alexander von Humboldt Stiftung und setzt sich verstärkt dafür ein, Young Professionals sowie Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit ersten Führungserfahrungen aus dem Ausland für ein Jahr nach Deutschland zu holen, damit sie danach als Mittler zwischen den Kulturen ihre Erfahrungen in ihrer Heimat einsetzen können. Das Programm trägt den Namen "Bundeskanzler-Stipendium". Jeweils zehn Stipendiaten/innen aus den USA, Russland, China, Brasilien und nun auch Indien werden jährlich ausgewählt. Bundeskanzlerin Angela Merkel liegt das Stipendium ganz besonders am Herzen, wie uns Dr. Aufderheide in einem Interview verrät. Indien bleibt als eines der großen Wachstumsländer ein wichtiger strategischer Partner für Deutschland. Ein Bund, der künftig auch durch das Bundeskanzler-Stipendium gefestigt werden soll. "Es lohnt sich, sich zu bewerben!" versichert Dr. Aufderheide.

Herr Dr. Aufderheide, als Generalsekretär der Humboldt-Stiftung machen Sie sich derzeit für das "Bundeskanzler-Stipendium" stark, bitte beschreiben Sie uns freundlicherweise kurz, worum es dabei geht. 

Mit diesem Programm fördert die Alexander von Humboldt-Stiftung Nachwuchsführungskräfte aus den USA, Russland, China und neuerdings auch aus Indien und Brasilien. Zielgruppe sind Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit ersten Führungserfahrungen sowie Young Professionals aus einem breiten Spektrum an Arbeitsbereichen. Die Bundeskanzler-Stipendiatinnen und -Stipendiaten kommen für ein Jahr nach Deutschland, um wissenschaftsnahe Projektvorhaben durchzuführen. Diese sollen nicht nur gesellschaftlich relevant sein, sondern auch eine nachhaltige, öffentlich sichtbare Wirkung entfalten. Dabei werden die Stipendiaten von selbst gewählten Gastgeberinnen und Gastgebern betreut. Überdies erhalten sie die Möglichkeit, sich mit anderen angehenden Entscheidungsträgern, Multiplikatoren und Impulsgebern dauerhaft zu vernetzen. 

Noch bis zum 15. September 2013 können sich Interessenten bewerben, sind Sie mit der bisherigen Resonanz zufrieden? Wird es eine Qual der Wahl bei der Auswahl der Stipendiaten geben? 

Erfahrungsgemäß treffen fast alle Bewerbungen erst unmittelbar vor der Deadline bei uns ein. Insofern können wir zurzeit schwer abschätzen, wie viele Personen sich tatsächlich bewerben werden. Allerdings deuten Indizien durchaus auf ein großes Interesse hin. Auch in der Vergangenheit hat es die "Qual der Wahl" stets gegeben. Trotzdem: Überzeugende Bewerbungen setzen sich auch durch - es lohnt sich, sich zu bewerben! 

Inwiefern wirkt die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf das Programm oder auf die Auswahl der Kandidaten ein? Wer wählt die Kandidaten aus, welche Kriterien müssen die Kandidaten erfüllen? 

Das Bundeskanzler-Stipendienprogramm liegt Frau Merkel sehr am Herzen. Sie ist nicht nur dessen Schirmherrin, sondern trifft auch Jahr für Jahr unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten in Berlin. Außerdem ist es ihrer Initiative zu verdanken, dass das Programm vor mehreren Jahren auf China und vor Kurzem auch auf Indien und Brasilien ausgeweitet wurde.

Die Auswahl der Bundeskanzler-Stipendiatinnen und -Stipendiaten liegt in den Händen von unabhängigen Auswahlgremien. Diesen gehören Führungspersönlichkeiten aus den beteiligten Ländern und aus Deutschland an, die die persönlichen und fachlichen Qualifikationen unserer Kandidatinnen und Kandidaten bestens bewerten können. Die Humboldt-Stiftung selbst nimmt keinerlei Einfluss auf die Auswahl.

Um erfolgreich zu sein, müssen Kandidaten natürlich in erster Linie Führungspotenzial haben. Darüber hinaus sollten sie auch erläutern können, welche Bedeutung das Stipendium für ihre weitere Karriereplanung hat und inwiefern sie sich künftig als Mittler zwischen ihren Heimatländern und Deutschland sehen. Außerdem müssen sie die Qualifikationen und Erfahrungen mitbringen, die für die Durchführung der geplanten Projekte nötig sind, und das Projekt selbst sollte überzeugen und von gesellschaftlicher Relevanz sein. 

In welcher Höhe kann ein Stipendiat gefördert werden und was ist das Ziel für den Einzelnen? 

Die Stipendienhöhe liegt zwischen 2150 € und 2750 € monatlich, je nach Ausbildungsstand, und beinhaltet eine Mobilitätspauschale sowie einen Beitrag zur Kranken- und Haftpflichtversicherung. Zusätzlich zahlen wir den Stipendiaten eine Reisekostenpauschale.

Das Stipendium dient der weiteren Karriereentwicklung der Stipendiatinnen und Stipendiaten, die in Deutschland ihr Fachwissen vertiefen, internationale Erfahrungen sammeln und zugleich ihre interkulturellen Kompetenzen stärken, damit sie zu erfolgreichen Führungspersönlichkeiten heranwachsen. Nach Beendigung ihres Stipendiums fungieren sie als Mittler zwischen ihrem Heimatland und Deutschland und bleiben Teil des weltweiten Humboldt-Netzwerks. 

Indien ist eines der Länder, die im Fokus des Programms stehen. Welches Potenzial sehen Sie in Indien, spielen die guten diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen eine Rolle? 

Indien gehört seit 1953 zu den Ländern, aus denen die Humboldt-Stiftung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fördert. Dies fällt zeitlich fast mit dem Jahr zusammen, in dem die diplomatischen Beziehungen zwischen Indien und Deutschland erstmals aufgenommen wurden. Heute gehört Indien als wirtschaftlich und politisch wichtiges Wachstumsland zu den globalen Gestaltungsmächten und Zukunftspartnern Deutschlands. Das Bundeskanzler-Stipendium soll auch dazu beitragen, diese Partnerschaft mit Indien noch weiter zu stärken und auszubauen.

Indien ist außerdem ein Land, das über sehr gute Hochschulen verfügt und somit auch hervorragend ausgebildete Hochschulabgänger hervorbringt. In diesem Zusammenhang sind auch die Indian Institutes of Technology zu erwähnen, an denen viele unserer Alumni tätig sind. Die Qualität der indischen Hochschullandschaft zeigt sich schon seit langem an den Stipendienzahlen des Humboldt-Forschungsstipendiums: Rund ein Viertel aller in Asien verliehenen Stipendien geht an indische Forscher.

Können oder sollen sich Stipendiaten untereinander austauschen?

"Einmal Humboldtianer, immer Humboldtianer",
weiß der Generalsekretär der Humboldt-Stiftung Dr. Enno Aufderheide.
Foto: (c) Humboldt-Stiftung

"Einmal Humboldtianer, immer Humboldtianer" - Das Alumni-Netzwerk der Stiftung ist uns ein besonderes Anliegen und die Vernetzung der Stipendiaten ist ein ausdrückliches Ziel des Bundeskanzler-Stipendiums. Kontakte zwischen den Stipendiatinnen und Stipendiaten werden u.a. durch das vierwöchige Auftaktprogramm in Bonn und Berlin oder die Studienreise gefördert. Außerdem sind wir momentan dabei, ein Social Media-Netzwerk für alle Humboldtianer - also Stipendiaten, Preisträger und Alumni - zu entwickeln, das die Vernetzung und den Austausch unterstützen und voranbringen soll.

Wie und unter welchen Gesichtspunkten werden die Projektergebnisse und der Erfolg der Projekte evaluiert? 

Ziel des Stipendiums ist es, die Vernetzung der Stipendiaten und Stipendiatinnen zu fördern, damit sie als Mittler zwischen den Kulturen in ihre Heimatländer zurückkehren können. Um den Erfolg diesbezüglich zu evaluieren, werden die Abschlussberichte und -gutachten der Gastgeber und die persönlichen Erfahrungsberichte der Stipendiaten systematisch ausgewertet. Auch die Verbesserung und Weiterentwicklung des Programms basiert darauf. 

Ein neues Leben in Deutschland kann für ausländische Menschen mit zahlreichen bürokratischen und sprachlichen Hindernissen verbunden sein. Inwiefern kann die Stiftung bei der Überbrückung von Barrieren, sprich Förderung der Integration, helfen und wie stark ist Eigeninitiative des Stipendiaten gefragt? 

Die Humboldt-Stiftung betreut ihre Stipendiaten individuell und setzt sich darüber hinaus allgemein für eine Willkommenskultur in Deutschland ein. Um alle Stipendiaten und Stipendiatinnen gut vorbereitet in ihr Projektjahr starten zu lassen, gibt es - wenn nötig -  einen vorbereitenden Sprachkurs im Heimatland und dann einen zweimonatigen Intensivsprachkurs in Deutschland. Zusätzlich unterstützt und berät die Humboldt-Stiftung auch bei Problemen vor und während des Aufenthaltes. Um aber wirklich in Deutschland anzukommen, ist natürlich auch das Interesse und der Einsatz der Stipendiaten selbst gefragt. Bisher haben wir damit gute Erfahrungen gemacht. Zur Förderung der allgemeinen Willkommenskultur hat die Stiftung beispielsweise einen Wettbewerb für die freundlichste deutsche Ausländerbehörde und einen Wettbewerb für "Welcome Centres" an deutschen Universitäten durchgeführt. 

Einige Bewerber sind möglicherweise verheiratet und haben Kinder. Erlaubt die Stiftung Möglichkeiten zum Aufenthalt für diese Familien in Deutschland? 

Wir begrüßen und unterstützen die Begleitung durch den Ehepartner und/oder die Familie ausdrücklich! Schon in der Auswahl wird bei der Bewertung des Werdegangs Zeit für die Kindererziehung angerechnet. Wenn der Stipendiat oder die Stipendiatin länger als drei Monate durch Familienangehörige begleitet wird, zahlt die Stiftung eine Familienzulage zusätzlich zum Stipendium. Wird im Förderzeitraum ein Kind geboren, ist eine Verlängerung oder Unterbrechung des Stipendiums möglich. 

Erfolgreiche Stipendiaten sollen nach einem Jahr in Deutschland in ihr Heimatland zurückkehren und ihr erworbenes Know-how einsetzen. Ist es auch denkbar oder gewünscht, dass ein Stipendiat nach Abschluss der Förderung in Deutschland bleibt? 

Im Prinzip gehen wir davon aus, dass die Stipendiaten ihre Erfahrungen in Deutschland mit zurück in ihr Heimatland nehmen und von dort als Mittler zwischen den Kulturen von ihrem Aufenthalt profitieren. Aber es gibt auch Beispiele von Stipendiaten, die in Deutschland geblieben sind und ihre Mittlerrolle von hier aus erfolgreich erfüllen. 

Herr Dr. Aufderheide, Sie sind seit 2010 Generalsekretär der Humboldt-Stiftung. Welchen Stellenwert hat das Bundeskanzler-Stipendium im Gesamtkontext bzw. -programm der Stiftung? 

Das Bundeskanzler-Stipendium hat in den letzten Jahren einen immer höheren Stellenwert eingenommen, da immer mehr Länder hinzugekommen sind. Seit Beginn des Programms hat sich die Anzahl der Stipendiaten verfünffacht. Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert vor allem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und baut mit ihnen ein weltweites Netzwerk des Vertrauens auf, dem die Geförderten ihr Leben lang angehören. Die Bundeskanzler-Stipendiaten bereichern dieses Netzwerk sehr; denn sie sind untereinander besonders intensiv verbunden und schlagen zudem eine Brücke zwischen dem wissenschaftlichen Netzwerk und anderen wichtigen Bereichen, von der Politik über die Wirtschaft bis zur Kunst.

Kurz: Auch wenn das Bundeskanzler-Programm klein ist – ich möchte dieses Programm in der Arbeit der Humboldt-Stiftung nicht missen! 

Wir bedanken uns für das aufschlussreiche Gespräch! 

Das Interview führte Dr. Bijon Chatterji