Montag, 25. Juli 2016

IFF 2016: 'German Star of India' für Regisseur Raam Reddy - "Thithi" überzeugt die Jury

(c) Filmbüro Baden-Württemberg
(tg) Stuttgart – Die Gesellschaftssatire "Thithi" von Raam Reddy ist am Sonntag zum Abschluß des 13. Indischen Filmfestival Stuttgart im Metropol Kino in Stuttgart mit dem German Star of India in der Kategorie Spielfilm ausgezeichnet worden. Der German Star of India in der Kategorie Kurzfilm geht an ‚Leeches’ von Payal Sethi. ‚Cecilia’ von Pankaj Johar wurde mit dem German Star of India in der Kategorie Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Der Spielfilm ‚Die Zeit der Frauen – Parched’ von Regisseurin Leena Yadav gewann den Director’s Vision Award. Den Audience Award vergab das Publikum an ‚7 Göttinnen – Angry Indian Goddesses’ von Pan Nalin. Im Wettbewerb wurden Preise im Gesamtwert von 7.000 Euro vergeben. 

Nahezu 60 aktuelle Filmproduktionen aus ganz Indien gaben einen einmaligen Einblick in das neue indische Kino. Starke Frauen in Indien bildeten den Themenschwerpunkt. Der diesjährige Ehrengast, die indische Schauspielerin Tannishtha Chatterjee, feierte mit ihrem neuen Film ‚Zeit der Frauen’, der im Oktober in die deutschen Kinos kommt, Deutschlandpremiere. Die Zahl der Festivalbesucher bei Filmen, Rahmenprogramm und ‚Indian Summer’ gibt das veranstaltende Filmbüro Baden-Württemberg mit etwa 5.000 an.

Spielfilm "Thithi" ist der große Festival-Gewinner


Der große Gewinner des Festivals heißt ‚Thithi’ von Raam Reddy. Der mit 4.000 Euro dotierte German Star of India, der vom Hauptsponsor des Festivals, Honorarkonsul Andreas Lapp, gestiftet wird, würdigt laut Jurybegründung eine absurde Gesellschaftssatire epischen Ausmaßes. „Ein bemerkenswerter erster Film und ein einnehmendes Porträt einer Welt voller Charaktere, die sich mit bemerkenswerter Leichtigkeit entwickeln, während ihre persönlichen Schwächen sich uns voller Humor und Liebe offenbaren,“ begründet die Jury ihre Entscheidung. Nach dem Tod eines 101-jährigen Landbesitzers und Patricharchen bricht die Ordnung in der Familie zusammen. 

Der Regisseur und Autor Raam Reddy wurde in Bangalore geboren. Er studierte am St. Stephen’s College in Neu-Delhi Fotografie und schrieb zeitgleich seinen Debütroman ‚It’s Raining in Maya’ (2011). In der Filmbranche debütierte der junge Regisseur im Jahr 2012 mit dem Kurzfilm ‚Ika’, der international ausgezeichnet wurde. Nachdem er im Jahr 2013 sein Regiestudium in Prag abgeschlossen hatte, gründete er ‚Prspctvs Productions’ und drehte seinen ersten Langspielfilm ‚Thithi’ (2015).   

(c) Filmbüro Baden-Württemberg

Kurzfilmpreis an 'Leeches'


Der mit 1.000 Euro dotierte Kurzfilmpreis geht an ‚Leeches’ von Payal Sethi. „Mit der Thematisierung der 'One Day Brides' und den zugehörigen institutionellen Machenschaften zeigt uns der Regisseur wie wichtig nach wie vor filmische Rache- und Widerstandsphantasien zur Verarbeitung gesellschaftlicher Fragestellungen sind“, lautet die einstimmige Meinung der Jury. Eine böswillige Amme will ein Mädchen an einen reichen Geschäftsmann verkaufen. Die Schwestern der Kinderbraut versuchen diesen Deal zu verhindern.

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‚Cecilia’ gewinnt in Kategorie Dokumentarfilm  


Die Dokumentation ‚Cecilia’ von Pankaj Johar überzeugte die Jury. Der Regisseur des mit 1000 Euro dotierten Dokumentarfilmpreises zeige in eindringlicher Weise die unerträgliche Schattenseiten der indischen Gesellschaft. Menschenhandel, Kinderarbeit, Gewalt gegen Schutzlose, Erpressung, Korruption. Ein 14-jähriges Mädchen wird aus ihrem Dorf von einer dubiosen Arbeitsvermittlung an ein wohlhabendes Paar in Delhi verkauft. Dort nimmt sie sich das Leben. Ihre Mutter, Cecilia, die ebenfalls in Delhi als Haushaltshilfe arbeitet, kann nicht fassen, welche Verzweiflung ihre Tochter in den Tod getrieben haben mag. „Geschickt überschreitet Pankaj Johar immer wieder Genregrenzen zwischen Dokumentation, investigativem Journalismus und spannender Kriminalgeschichte,“ urteilt die Jury.

Eine lobende Erwähung in der Kategorie Dokumentarfilm erhielt ‚Fireflies in the Abyss’ von Chandrashekhar Reddy, der die menschenunwürdigen Umstände in illegalen Kohlebergwerken schildert.

(c) Filmbüro Baden-Württemberg

Director’s Vision Award an ‚Die Zeit der Frauen‘ 


‚Die Zeit der Frauen – Parched’ von Regisseurin Leena Yadav wurde mit dem Director’s Vision Award ausgezeichnet. Dieser Preis richtet sich an Regisseure/Regisseurinnen, die in ihrem Filmbeitrag ambitioniert den Blick auf einen kulturellen, sozialen oder gesellschaftlichen Missstand richtet. Der von den Medien stark beachtete Eröffnungsfilm, der in Stuttgart in Anwesenheit der Regisseurin Leena Yadav und der Schauspielerin Tannishtha Chatterjee seine Deutschlandpremiere feierte, bedeindruckte die Jury: „Dafür, dass Leena Yadavs Film ‚Die Zeit der Frauen – Parched’ mit solcher Ehrlichkeit und solch tiefem Verständnis die private Welt unterdrückter Frauen im ländlichen Indien hervorhebt, die nach Liebe, Sex und Freiheit den patriarchalen Normen zum Trotz lechzen.Voller Elan und Bildgewalt erhebt Leena Yadav das Ringen dieser starken Frauen zu einem inspirierenden Porträt der Befreiung.“

(c) Filmbüro Baden-Württemberg

Ministerpräsident empfing Ehrengäste 


Tannishtha Chatterjee war der große Stargast des Festivals. Mit drei aktuellen Filmen im Festivalprogramm war die engagierte Powerfrau des indischen Kinos eine gefragte Interviewpartnerin. Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann begrüßte den Mega-Star aus Indien anlässlich eines deutsch-indischen Gedankenaustausches im Marmorsaal des Neuen Schlosses in Stuttgart, zu dem Kretschmann gemeinsam mit dem Stuttgarter Unternehmer Andreas Lapp, Honorarkonsul der Republik Indien für Baden- Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie Hauptsponsor des Indischen Filmfestivals Stuttgart, eingeladen hatte. In Anwesenheit des indischen Botschafters Gurjit Singh gab Kretschmann in dieser Runde bekannt, dass er mit einer Delegation Ende Januar 2017 nach Indien reisen werde.

(c) Staatsministerium BW
v.l.n.r.: Staatssekretärin Petra Olschowski, Honorarkonsul Andreas Lapp, Therese Hayes, Tannishtha Chatterjee, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Oliver Mahn, Uma da Cunha, Neeru Singh und der indische Botschafter Gurjit Singh

Kulturaustausch baut Vorurteile ab 

„Stuttgart, die Landeshauptstadt im Herzen Baden-Württembergs, ist prädestiniert, der Hotspot deutsch-indischer Beziehungen zu werden, mit einem starken Filmfestival im Zentrum,“ betonte Festivalleiter Oliver Mahn. Dabei gelte: je erfolgreicher das Festival, desto interessanter und attraktiver der Rahmen. Warum das so ist, erklärte Mahn wie folgt: “Weil durch Kulturaustausch Emotionen vermittelt und Vorurteile abgebaut werden. Erst dadurch werden Abkommen und Partnerschaften mit persönlichen Kontakten, Erfahrungen und positiven Erinnerungen erfüllt und können erfolgreich gelebt werden.“

Filmsongs live im Kinosaal präsentiert


Mehrfach hieß es an der Festivalkasse: „Sorry, ausverkauft“ – etwa beim Schultag ‚Ottaal’. Auch der Kino-Hit ‚7 Göttinnen’ – Anuschka Manschanda präsentierte ihre Filmsongs live im Kinosaal – und der Thriller ‚TE3N’ mit Leinwandgott Amitabh Bachchan lockte die Fans des indischen Kinos ins Metropol. Auf dem Roten Teppich, der fünf Tage lang direkt in die Welt des neuen indischen Kinos führte, begrüßte das veranstaltende Filmbüro BadenWürttemberg neben zahlreichen Filmgästen aus Indien – darunter die langjährige Kuratorin Uma da Cunha - auch die Kuratorin Therese Hayes aus den USA. Das Rahmenprogramm punktete mit den von der Robert Bosch Stiftung geförderten ‚Tea Talks’, einem Tanzworkshop und dem ‚Indian Summer’, zu dem Hauptsponsor Andreas Lapp Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur begrüßte. Zum Vormerken: das 14. Indische Filmfestival Stuttgart findet vom 19. bis 23. Juli 2017 statt.