Montag, 17. Juni 2019

16. Indisches Filmfestival Stuttgart: Interview mit Andreas Lapp

(c) Frank von zur Gathen
Der Stuttgarter Weltunternehmer Andreas Lapp ist Hauptsponsor des Indischen Filmfestival Stuttgart. Warum ihn das aktuelle indische Kino fasziniert und wie seine Liebe zu Indien begann, verrät der Honorarkonsul der Republik Indien für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in folgendem Interview. Das 16. Indische Filmfestival Stuttgart präsentiert vom 17. bis 21. Juli 2019 im Metropol Kino Stuttgart nahezu 50 aktuelle Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme aus ganz Indien. Europas größtes indisches Filmfestival erwartet zahlreiche spannende Filmgäste. Das Interview führte Hans-Peter Jahn vom Filmbüro Baden-Württemberg.



Welche Eindrücke haben Sie von Ihrer aller ersten Reise nach Indien mitgenommen.

Andreas Lapp: "Von meiner ersten Reise nach Indien war ich sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht überwältigt. Indien ist ein riesiges Land, indem unterschiedliche Kulturen, Religionen und Bevölkerungsgruppen aufeinandertreffen. Der Subkontinent hat unglaublich viel zu bieten: Abwechslungsreiche Landschaften, leckeres Essen, viel Geschichte und Kultur, aber auch höchst lebendige und gewöhnungsbedürftige Millionenstädte. Auch heute noch bin ich begeistert von Indien und freue mich jedes Mal dorthin zu reisen."

Wie hat sich Indien seither verändert?

Andreas Lapp: "Seit meinem ersten Besuch in Indien hat sich sehr viel getan. Nach der wirtschaftlichen Öffnung des Landes Anfang der 90er Jahre hat es in fast allen gesellschaftlichen Bereichen gewaltige Veränderungen gegeben. Allein 140 Millionen Menschen haben den Weg aus der Armut gefunden. Es wurden Wohnungen und Krankenhäuser gebaut. Heute sieht man in den Großstädten nur noch vereinzelt Bettler. Vor einigen Jahren haben sie das Stadtbild maßgeblich geprägt. Ich bin auch immer wieder begeistert vom Chhatrapati Shivaji International Airport in Mumbai. Trotz des hohen Passagieraufkommens sind die Organisation und der Service dort sehr gut." 

Welche Rolle könnte Indien künftig auf dem Weltmarkt und in der Weltpolitik spielen?

Andreas Lapp: "Ich bin der Überzeugung, dass Indien zukünftig eine gewichtige Rolle auf dem Weltmarkt spielen wird. Indien ist die größte Demokratie der Welt. Gefestigte demokratische Strukturen und Intuitionen waren ein wichtiger Grund für meine Entscheidung, Produktionsstandorte in Indien zu errichten. Auch zukünftig werden die demokratischen Prinzipien eine notwendige Bedingung für die wirtschaftliche Dynamik des Landes darstellen. Indien ist eine sehr junge Nation. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes ist unter 25 Jahren. Dieses Potenzial gilt es zu nutzen. Auch die Bevölkerungsmasse macht Indien als Land attraktiv. Die Mittelschicht wächst schnell und ist sehr konsumfreudig. Gleichzeitig ist der Markt noch nicht gesättigt und bietet damit zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten."

Welchen Stellenwert sollte Indien für Europa, die Bundesrepublik Deutschland und Baden-Württemberg haben?

Andreas Lapp: "Aus meiner Sicht sollte Indien für Europa, Deutschland und Baden-Württemberg einen gehobenen Stellenwert einnehmen. Deutschland ist Indiens wichtigster Handelspartner innerhalb der Europäischen Union. Ende 2018 lebten knapp 130.000 Inder in Deutschland. Mittlerweile kommen immer mehr junge Menschen nach Deutschland, um hier zu studieren, was mich sehr freut. Die langjährige Weinbautradition Baden-Württembergs bringt sogar indische Winzer nach Deutschland, um hier ihr Wissen zu erweitern. Auch die lebendige Städtepartnerschaft zwischen Stuttgart und Mumbai, die wir jährlich mit einem Weinfest begehen, trägt zur Beziehungspflege zwischen den Kulturen bei. Ich hoffe, dass auch in Zukunft, Indien ein wichtiger Partner für Europa, Deutschland und auch Baden-Württemberg bleibt."

Das indische Filmfestival Stuttgart ist in der baden-württembergischen Landeshauptstadt wohl die lebendigste kulturelle Brücke zwischen den Partnerstädten Stuttgart und Mumbai. Was fasziniert Sie an Filmen aus Indien?

Andreas Lapp: "Mit über 3000 Filmen pro Jahr ist die indische Filmindustrie die produktivste der Welt. Ich bin jedes Mal begeistert von der ungeheuren Vielfalt an Filmen, die in den Kinos laufen. Die gezeigten Bilder, die behandelten Themen und auch die Schauspieler sind so verschieden, wie das Land selbst. Dass die indische Filmindustrie mehr zu bieten hat, als nur Bollywood-Filme zeigt das Indische Filmfestival. Ich freue mich Jahr für Jahr auf das abwechslungsreiche Programm, welches das Filmbüro Baden-Württemberg zusammenstellt."

Weitere Informationen zum 16. Indischen Filmfestival Stuttgart unter www.indischesfilmfestival.de


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