Donnerstag, 20. Juni 2019

Regisseurin Dar Gai eröffnet 16. Indisches Filmfestival Stuttgart

(c) Filmbüro Baden-Württemberg
[PM] Europas größtes indisches Filmfestival setzte ein Zeichen: Mit dem bildstarken Roadmovie 'Namdev Bhau – In Search of Silence' der indischen Regisseurin Dar Gai startet das 16. Indische Filmfestival Stuttgart am Mittwoch, 17. Juli im Metropol Kino. Bis 21. Juli präsentiert es nahezu 50 aktuelle Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme aus ganz Indien. Aber auch die Unterhaltung kommt nicht zu kurz. 

Im Eröffnungsfilm begleitet die in der Ukraine geborene und in Mumbai lebende Regisseurin Dar Gai einen Taxifahrer, der vor dem ohrenbetäubenden Straßenlärm der Metropole ins Tal der Stille flieht. Auf seinem Weg zum Sehsuchtsort im Himalaya begegnet ihm ein Junge, der seine Eltern sucht. Für beide beginnt ein großes Abenteuer. Zur Deutschlandpremiere in Stuttgart bringt Dar Gai ihren Hauptdarsteller Namdeo Gurav und den Kameramann Aditya Elavarthy mit.

(c) YouTube: Trailer 'Namdev Bhau' | Dar Gai | 2018

Mit Spannung erwartet das Publikum die Weltpremiere von Rahat Kazims ‚Lihaaf – The Quilt‘ mit der brillanten Tannistha Chatterjee (‚Zeit der Frauen‘). Es geht um einen Gerichtsprozess gegen die gefeierte Autorin Ismat Chugtal (1915 – 1991). Ihr wird vorgeworfen, eine obszöne Beziehungsgeschichte zweier Frauen verfasst zu haben. Zur Weltpremiere kommen Schauspieler und Co-Autorin Sonal Sehgal und Produzent Marc Baschet.

Lihaaf - The Quilt | (c) allmovie.co.in
Die Festivalbesucher begleiten gleich mehrere Filmhelden auf der Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit, geliebten Menschen und Frieden. So muss im großen Historienfilm ‚Ek Je Chhilo Raja – The Imposter Prince‘ ein Gericht in den 1940er Jahren klären, ob ein plötzlich aufgetauchter geheimnisvoller Mönch der rechtmäßige Erbprinz oder ein Betrüger ist. Regisseur Srijit Mukherji, der die berührende und geheimnisvolle Geschichte inszeniert hat, wird zum Screening in Stuttgart erwartet.

Ek Je Chhilo Raja - The Imposter Prince | (c) Times Of India
In Arjun Duttags Drama ‚Abyakto – The Unsaid‘ nähert sich ein Sohn nach dem Tod seines Vaters einem Familiengeheimnis. In Gesprächen erkundet er die verheimlichte Homosexualität seines Vaters. ‚The Sweet Requiem‘ von Ritu Sarin und Tenzin Sonam konfrontiert eine Frau in der Community der Exil-Tibeter in Delhi mit ihrer Vergangenheit. Gleich zweimal ist der indische Sternekoch Vikas Khanna im Festivalprogramm vertreten: ‚The Last Color‘, sein Spielfilm-Debüt als Regisseur, dreht sich um Witwen, Waisenkinder und Polizeiwillkür. In ‚Buried Seeds‘ portraitiert Andrei Severny den indischen Spitzenkoch und seine umweltbewusste Küchenphilosophie.

Abyakto - The Unsaid | (c) London Indian Film Festival
Im diesjährigen Schulfilm ‚Hamid‘ sucht ein Junge seinen Vater, der – so wie viele andere  Väter – im blutigen Kashmir-Konflikt plötzlich spurlos verschwunden ist. Regisseur Aijaz Khan diskutiert nach der Vorstellung mit dem Publikum. Der diesjährige Familienfilm ‚Chippa‘ von Safdar Rahmans wird von der Stuttgarter Schauspielerin Juliane Bacher live in Deutsch eingesprochen. Auch in diesem Drama vermisst ein kleiner Junge seinen Vater. Ein Brief in unbekannter Sprache bringt ihn auf eine Spur. Vor ‚Chippa‘ gastiert im Kinosaal das traditionelle Marionettentheater ‚Kathputli‘ aus Rajasthan.

Chippa | (c) Times Of India
Die satirische Komödie ‚#Gadhvi‘ von Gaurav Bakshi erzählt augenzwinkernd, wie der Pazifist Gadhvi in den sozialen Medien zum Gesicht der Anti-Korruptionsbewegung aufgebaut wird. In ‚Ek Sangaychay – Unsaid Harmony‘ von Lokesh Vijay Gupte eskaliert in vier Familien der Generationenkonflikt , bis eine blutige Tragödie den Wendepunkt setzt. Wagt er den verbotenen Schritt auf den heiligen Berg? Einem Schäfer stellt sich in ‚Sona Dhwandi Bhend Te Suchha Pahad – The Golden-Laden Sheep & The Sacred Mountain‘ von Ridham Janve nach einem Flugzeugabsturz auf heiligen No-Go-Boden diese Frage.

#Gadhvi | (c) Midlands Arts Centre
Die fünftägige cineastische Indienreise wagt einen kritischen Blick hinter die verschwiegenen Mauern eines Ashrams für Witwen (‚Widows of Vrindavan‘ von Onir) und skizziert in ‚Women’s Voice – India’s Choice‘ von Shammi Singh eine Landkarte über die gesellschaftliche Situation der Frauen in Indien. Der Punkmusiker und Yoga-Lehrer aus Stuttgart feiert mit seine Doku Weltpremiere. Gleich mehrere Festivalfilme porträtieren spannende Menschen. So ‚G.D. Naidu – The Edison of India‘ (Regie Renjith Kumar), der die Bombardierung Stuttgarts überlebte und in der Region treue Freunde fand. Anjali Bhushan erinnert in ‚My Home India‘ an ein Botschaftsteam in Mumbai, das im Zweiten Weltkrieg 5.000 polnische Kriegsgefangene vor den Lagern in Russland gerettet hat.

My Home India | (c) IMDb
Mit 50 Jahren lernte ‚Coral Woman‘ (Regie Priya Thuvaserry) den Tauchsport und landete in Korallenriffs, die von Plastikmüll zerstört werden. Im Rahmen einer Tee Matinée werden der Friedensnobelpreisträger von 2014, Kailash Satyarthi (‚Sathyarthi‘ von Pankaj Johar) und seine Kinderhilfsprojekte filmisch vorgestellt. Die Doku ‚Peacock Plume‘ widmet Shabnam Sukhdev der von Lebenskrisen geschüttelte Tänzerin Shubhada Varadkars, die auch beim Filmfestival in Stuttgart auftreten wird. Und der Münchner Bollywood-TV-Sender ZeeOne stellt stellt in einem Special angesagte Deutsch synchronisierte TV-Serien aus Indien vor.

Kailash Sathyarthi | (c) indiatoday.in
Bevor die begehrten Filmpreise ‚German Star of India‘ zum Abschluss des Festivals vergeben werden, darf sich das Publikum auf ein vielseitiges Rahmenprogramm freuen. Die baden-württembergische Staatsministerin Theresa Schopper nimmt an einem ‚Tea Talk‘ über die Beziehungen zwischen Europa und Indien teil. Vier Kameraleute aus Indien erklären in ‚Making of Indian Cinema‘ ihre Sichtweise auf Filmstories und Manoj Baruah aus Assam bringt seine fünfseitige Geige mit.

Das ganze Festivalprogramm unter www.indisches-filmfestival.de


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